Lena Richter: Dies ist mein letztes Lied

(Mit Spoilern)

Worum geht es?

In einer fernen Zukunft hat sich die Menschheit über viele Planeten ausgebreitet. Doch ohne Geld kommt man nicht vom eigenen Planeten weg, nicht mal im Notfall. Qui hat sich mit einem eintönigen Dasein als Arbeiter*in abgefunden, da entdeckt Qui die Fähigkeit, durch selbstgespielte Musik Raumportale zu öffnen. Die Geschichte ist episodisch gestaltet, jede Episode spielt auf einem anderen Planeten oder Raumschiff, zu denen Qui gelangt. Anfangs glaubt Qui, von den Portalen für eine besondere Mission auserwählt worden zu sein, wird jedoch bald ernüchtert. Auf der Reise wird Qui mit verschiedenen (meist kapitalistischen) Missständen konfrontiert, die sich nicht auf magische Weise lösen lassen. Kann eine einzelne Person überhaupt etwas ändern?

Kommentar:

Stilistisch ist die Geschichte sehr schön und atmosphärisch erzählt und sticht mit dem episodischen Ansatz aus anderen Space Operas heraus (wenn die Idee auch gewisse Ähnlichkeiten mit Lukianenkos „Spektrum“ hat).

Thematisch dreht sich die Erzählung um die Frage, wie viel ein Mensch ändern kann, und was Kunst bewirken kann. Die Autorin erteilt bewusst Heldenmythen eine Absage, also der Vorstellung, eine einzelne auserwählte Person könne auf magische Weise die Welt retten.

Dabei finde ich allerdings, dass die Autorin ein wenig über das Ziel hinausschießt. Am Ende ist Qui recht desillusioniert, und die einzige Sache, die Qui einfällt, um etwas zu bewegen, ist, mit den Einnahmen aus der Musik eine wohltätige Stiftung einzurichten. Hier scheint Qui hinter den Möglichkeiten zurückzubleiben, denn Qui hätte die Berühmtheit ja auch für politisches Engagement nützen können, vielleicht zusammen mit anderen. Denn dass eine einzelne Person nicht auf magische Weise die Welt retten kann, heißt ja nicht, dass man nicht gemeinsam durchaus etwas verändern könnte.

Insgesamt eine lesenswerte Novelle, die mich aber mit dem Gedanken zurückgelassen hat, dass mehr möglich gewesen wäre. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Ähnliche Beiträge

  • Julia Hoch (Hg.): UMblicken

    Mit der Anthologie „UMblicken“ habe ich ein Buch außerhalb meiner Lesegewohnheiten gelesen, da ich sonst vorwiegend in der Phantastik unterwegs bin. Dafür aber hat es mir sehr gut gefallen. In der Anthologie enthalten sind Kurzgeschichten und Gedichte von fünf Autorinnen. Die Texte beziehen sich häufig auf Privates oder den Alltag, haben dabei oft einen Twist…

  • Sameena Jehanzeb: Frozen, Ghosted, Dead

    Das Buch ist eine Mischung aus Thriller, Science Fiction und einer Liebesgeschichte zwischen zwei ungleichen Frauen. Die kreative und lebenslustige Niobe wird von einem Stalker verfolgt und ist auf die Hilfe der kühlen, mysteriösen Personenschützerin L angewiesen. Unweigerlich kommen die beiden Frauen sich näher. Doch welches Geheimnis verbirgt L? Jeder der Teile in diesem Genremix…

  • Psyche mit Zukunft, Hrsg. Jol Rosenberg

    In dieser Anthologie geht es um Science Fiction mit Protagonisten mit psychischen Krankheiten oder Neurodivergenzen. Dabei ist häufig Thema, wie zukünftige Gesellschaften mit diesen psychischen Eigenschaften umgehen.  Es sind viele interessante und gut geschriebene Texte dabei und ich fand die Anthologie rundum gelungen. Diese Geschichten fand ich besonders erwähnenswert: „Der Hobby-Friedhof“ von Lee Doubleu ist…

  • T. N. Weiß: Finsterflüstern

    Worum geht es: Das Buch folgt drei Figuren auf verschiedenen Seiten eines interplanetaren Konflikts: Yolan ist ein Junge in einer altertümlichen Kultur, wo man Angst vor „Hexern“ hat. Koulé ist Soldatin in der Kultur dieser „Hexer“, die ihre Macht außerirdischen Wesen, den Titanen, verdanken. Mril ist ein Krieger der Shadku, Echsenwesen, welche mit den Feyen…

  • Zwielicht Nr. 20

    Vor kurzem habe ich „Zwielicht Nr. 20“ gelesen. „Zwielicht“ ist eine fortlaufend erscheinende Anthologie für Horror und düstere Phantastik. Ich kann aus eigenem Interesse sagen, dass darin nur sehr gute Texte erscheinen, denn in der kommenden Ausgabe wird auch eine Story von mir enthalten sein 😉  Aber mal ernsthaft: Die Texte in Nr. 20 hatten…

  • |

    Zwielicht Nr. 22

    Die Nr. 22 des Horrormagazins „Zwielicht“ bietet eine Mischung aus vielen Spielarten der unheimlichen Phantastik, von surreal und gruselig bis zu absurd und sogar lustig. Besonders gefielen mir: Maximilian Wust: „Tränen, Wasser und Muttermilch“ ist eine Geschichte um Abelard, der im 19. Jahrhundert im Grenzland zwischen Bulgarien und der Türkei Zombies jagt. Mir gefielen das…