Olga Ravn: Die Angestellten

Ein ungewöhnlicher SF-Roman.

Worum geht es:

Ein Raumschiff umkreist einen neu entdeckten Planeten. An Bord sind sowohl menschliche als auch künstliche Arbeitskräfte, sogenannte Humanoide, sowie einige seltsame außerirdische Objekte. Diese Objekte rufen unerwartete Gefühle in der Besatzung hervor. Insbesondere die Humanoiden entwickeln Gefühle, die so nicht vorgesehen sind und die – Schockschwerenot – die Arbeitsproduktivität bedrohen. Die Missionsleitung ergreift Gegenmaßnahmen und es kommt zur Eskalation. Das Buch ist dabei in Form von Zeugenaussagen der Besatzungsmitglieder geschrieben.

Kommentar:

Keine leichte Lektüre, denn man muss sich beim Lesen die Geschehnisse aus den Zeugenaussagen zusammen puzzeln. Daraus ergibt sich ein zunächst verwirrendes, aber zunehmend beklemmendes Bild. Deutlich wird, wie brutal alle, egal ob Menschen oder Humanoide, der Produktivitätslogik unterworfen sind. (Die Humanoiden wurden geschaffen, weil sie nach nur zwei Jahren Aufzucht arbeitsfähig sind und nicht wie Menschen erst nach ca 18 Jahren und weil sie keine Pausen brauchen.) So enthält das Buch eine gewisse Portion Kapitalismuskritik, ohne erhobenen Zeigefinger. Die Sprache ist sehr lyrisch (die Autorin hat zuvor Lyrikbände veröffentlicht), für meinen Geschmack manchmal zu Lasten der Verständlichkeit. Insgesamt eine Lektüre, die einen mit mehr Fragen als Antworten zurücklässt. Aber genau das kann ja zum Nachdenken anregen.

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