Marie Meier: Seelengrube

Foto vom Buch "Seelengrube"

Worum geht es?

Das Buch spielt auf dem Stadtplaneten Arges, dessen Herrschende mithilfe von Magie Macht ausüben. Jule ist eine eher mittelmäßige Beschwörerin, doch nun muss sie die nächste magische Prüfung schaffen, um ihren Love Interest wiederzusehen, und wird dabei mit jede Menge Problemen und Intrigen konfrontiert.

Was ich gut fand:

Das Buch startet mit einer eindrücklichen Situation: Jule ist in einem Kerker gefangen und kann nur entkommen, indem sie mithilfe eines Monsters ihre magischen Fähigkeiten erweckt. Das Monster entpuppt sich dann als weniger monströs und vielmehr als potentieller Love Interest. Um diesen wiederzusehen, muss Jule in der magischen Hierarchie aufsteigen, wobei ihr ihre Ängste und ihre Herkunft im Wege stehen. Hierbei greift die Autorin wichtige reale Themen auf: Prüfungsangst und die Schwierigkeiten als Arbeiterkind in einem Bildungsumfeld, das nicht für einen gemacht ist. Jule muss wieder bei ihrer alkoholkranken Mutter einziehen, während andere Magische problemlos für die Prüfung lernen können. An jeder Stelle werden realistisch die Hürden gezeigt, die ihr im Wege stehen. Deutlich werden soziale Hierarchien und kapitalistische Ausbeutung thematisiert. Dadurch geht die Geschichte tiefer, als einfach nur spannende Unterhaltung zu sein. 

Der Schreibstil ist lebendig und erweckt die Stadt Arges mit vielen Details zum Leben, wozu auch die liebevollen Illustrationen beitragen. Die Story ist temporeich und wartet mit immer neuen Verwicklungen auf, in die Jule hineingezogen wird, sodass die Spannung dauernd hoch ist und man immer weiter lesen will.

Gut fand ich, dass Freundschaften eine wichtige Rolle spielen. Erfrischend ist auch, dass gleich zwei Männer in Jules Leben treten und dann nicht die langweilige Frage künstliches Drama erzeugt, für welchen sie sich entscheiden soll, sondern Polyamorie ganz selbstverständlich eine Option ist. Schön fand ich, wie all das Magische und Spacige mit bodenständigen Szenen kontrastiert.

Das Buch hat einen runden Abschluss und lässt zugleich größere Entwicklungen in den Folgebänden erahnen, denn die ausgebeuteten Planeten beginnen zu rebellieren, und Jules Weg hat gerade erst begonnen.

Was ich nicht so gut fand:

Ich frage mich, ob das Buch stellenweise seine eigenen Absichten konterkariert. So wird der Schönheitswahn der Oberschicht kritisiert, aber zugleich sind alle Love Interests enorm gutaussehend. Warum darf es nicht auch mal ein durchschnittlich aussehender Love Interest sein? 

Ebenso wird der Leistungsdruck kritisiert, aber dann reicht es nicht, dass Jule nur ein bisschen weiter kommt, sie muss außergewöhnliche Fähigkeiten entwickeln. Warum nicht mal eine Heldin mit durchschnittlichen Gaben, wenn nicht nur die Besonderen ein gutes Leben verdienen sollen?

Vielleicht werden diese Themen ja in den Folgebänden noch subvertiert.

Etwas komisch fand ich, dass Jule weiß, dass Arges regelmäßig auf anderen Planeten ganze Bevölkerungen ausrottet, aber aus diesem Wissen keinerlei Konsequenzen zieht. Andererseits wundert mich das bei einem Blick in die Realität überhaupt nicht.

Fazit: Spannende Science Fantasy mit Tiefgang und Kapitalismuskritik.

*Rezensionsexemplar*

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