Worum geht es:
Seit Gesas Mann verstorben ist, versinkt sie in Trauer und Depression. Als sie sich mit der deutlich älteren Therese anfreundet, hilft diese ihr, einen Weg aus der Trauer zu finden. Genauso hilft ihr das Tagebuchschreiben. Doch dann verschlechtert sich Thereses Gesundheit und Gesa wird ein zweites Mal der Boden unter den Füßen weggezogen …
Was ich gut fand:
Das Thema Trauer um einen geliebten Menschen und Depression wird in diesem Buch einfühlsam behandelt. Es ist eben nicht einfach, über einen Verlust hinwegzukommen, und erfordert einiges an Arbeit und Unterstützung, das wird hier deutlich.
Die Beziehung zwischen Gesa und Therese wird vielschichtig gezeigt: Anfangs sucht Gesa bei der alten Dame Halt, bis dieses Konstrukt zu wanken beginnt, als Therese ins Pflegeheim muss, und Gesa sich zu fragen beginnt, ob sie sich zu sehr auf Therese verlassen hat. Wir bekommen auch Thereses Innenleben zu sehen und ich konnte mich dadurch gut in einen alten Menschen hineinversetzen, was eine Perspektive ist, die ich selten gelesen habe.
Gesa lernt den Pfleger Mick kennen und langsam kommen sie einander näher. Dabei wird die Liebe nicht als Allheilmittel gezeigt, wodurch auf wundersame Weise alles gut wird. Nein, es ist umgekehrt: Gesa ist erst in der Lage, sich für neue Gefühle zu öffnen, als sie bereits den größten Teil des Weges gegangen ist, ihre Trauer zu verarbeiten. Das fand ich wohltuend unklischeehaft.
Wichtig ist außerdem, wie Gesa langsam klar wird, dass sie sich zu sehr auf ihren Ehemann verlassen und andere Lebensbereiche wie Freundschaften oder Hobbys vernachlässigt hatte, wodurch sie nach seinem Tod vor dem Nichts stand. Sie beginnt nun, sich an Freundschaften oder Interessen zu versuchen. Das finde ich ein wichtiges Thema, da viele Menschen die Paarbeziehung als Einziges im Leben pflegen – doch was bleibt, wenn diese wegfällt?
Das Buch zeigt auch, wie Tagebuchschreiben hilft, Gedanken und Gefühle zu reflektieren.
Gut fand ich auch, wie der Arbeitsalltag in einer Klinik realistisch gezeigt wurde.
Was ich nicht so gut fand:
Teilweise sind die Tagebuchpassagen redundant zu den erzählten Passagen, da in beiden das Gleiche passiert. Hier hätte man eins von beiden weglassen können. Stellenweise fand ich das Buch etwas kitschig geschrieben. Aber ansonsten war der Schreibstil angenehm klar und schlicht.
Fazit:
Ein einfühlsames Buch über den Weg aus der Trauer.