Philip Pullman: Das Feld der Rosen

Foto vom Buch "Das Feld der Rosen"

Mit Spoilern!

Worum geht es:

„Das Feld der Rosen“ ist der Abschlussband der Book of Dust-Reihe (BOD). Diese wiederum ist die neue Serie nach der Vorgängerserie His Dark Materials (HDM). Ich möchte zum Inhalt nicht viel sagen, da man das Buch, ohne die Vorgänger zu kennen, ohnehin wahrscheinlich nicht lesen wird.

Wie ich es fand:

Da HDM eine der prägenden Buchreihen meiner Jugend war, bin ich mit hohen Erwartungen an die neue Serie herangegangen, insbesondere an den finalen Band. Leider konnte er meine Erwartungen nicht erfüllen.

Eine bekannte Schreibregel ist Tschechows Gewehr: Wenn in einer Geschichte ein Gewehr eingeführt wird, muss es irgendwann abgefeuert werden. Oder anders gesagt, Storyelemente müssen Konsequenzen haben. Doch BOD3 fühlte sich an wie eine Ansammlung von Gewehren, die niemals abgefeuert werden.

Der vorherige Band hatte mir besser gefallen, da er wirkte, als würde das alles auf etwas hinarbeiten. Das zentrale Thema schien ein Konflikt zwischen Phantasie und einer modernen – oder postmodernen – Denkweise zu sein, der sich in Entfremdung zwischen Lyra und ihrem Dämon äußerte. Alte Feinde wie das Magisterium und neue wie ein großes Unternehmen waren in den Konflikt involviert. Aber leider verlief vieles in BOD3 einfach im Sande.

Viele Rezensenten haben schon die Inkonsistenzen und offenen Enden bemerkt, daher hier nur ein paar:

– Das Myriorama wird eingeführt als eine noch bessere Methode, Staub zu lesen, als das Alethiometer, aber dann nie wirklich benutzt.

– Malcolms Visionen eines leuchtenden Rings.

– Über hunderte Seiten hinweg wird eine romantische Beziehung zwischen Malcom und Lyra angeteasert (was immer man davon halten will) und am Ende sang- und klanglos fallen gelassen.

– Der „Alkahest“ wird als neue Bedrohung eingeführt. Am Ende entpuppt sich das als Kritik am Kapitalismus, diese ist aber sehr plakativ und eher fehlerhaft (Vorher gab es ja auch Geld. Aber das war „gutes“ Geld. Was genau soll denn der Unterschied zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Geld sein?). Und auch aus dieser Bedrohung werden keine Konsequenzen gezogen, das Buch ist dann einfach vorbei.

– Und nicht zuletzt: sind offene Durchgänge zu anderen Welten nun ein Problem, wie in HDM etabliert, weshalb Lyra und Will sich dramatisch trennen mussten? Oder ist das doch kein Problem? Und wenn letzteres, warum hat das nicht mehr emotionale Wirkung auf Lyra?

Natürlich will ich auch die guten Aspekte des Buches nennen. Pullman ist hervorragend darin, Atmosphäre und Settings aufzubauen. Auch seine Studien von zwischenmenschlichem Verhalten sind spannend. Seine Schilderung der „Machtergreifung“ von Delamare und des Verhaltens vieler Opportunisten (in BOD2) war brillant. Oder wie Lyra Mitarbeiter des Magisteriums mit einem Trick übertölpelt, hatte stellenweise den Witz von HDM. Ich mochte Olivier Bonneville als Antihelden und was am Ende über ihn und Lyra herauskommt.

Ich fand auch spannend, wie Pullman die Mensch-Dämon-Beziehung weiter ausleuchtet, bis zu der gruseligen Idee, dass arme Menschen ihren Dämon an reiche Menschen ohne Dämon verkaufen müssen und es einen regelrechten Handel mit ihnen gibt, passend zur Kapitalismuskritik.

Allerdings wurde in HDM etabliert, dass ein Mensch ohne Dämon etwas absolut Schockierendes ist, und nun soll das gar nicht so unüblich sein. Vielleicht war das schon immer weiter verbreitet, als man dachte, oder aber es gehört auch zu den Veränderungen durch den „Alkahest“.

Solche Bilder wie das der Dämonen, die zum Verkauf stehen, bleiben hängen und können auch als Metaphern für Zustände in unserer Welt stehen.

Aber aus starken Bildern, Atmosphäre und stellenweise brillanten Schilderungen wird leider noch keine kohärente Erzählung. Damit bleibe ich etwas ratlos zurück.

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