Jesko Habert: Tiefsommer

Foto vom Buch "Tiefsommer".

Das Buch beginnt in dem fiktiven Land Pagau, das große Ähnlichkeiten mit realen südamerikanischen Ländern hat. Wie die realen Vorbilder hat auch Pagau das Problem, wegen seiner Rohstoffe von einem mächtigen Staat, Uriwa, ausgebeutet zu werden. Zora, Lucio und Roja werden in diesen Konflikt hineingezogen, als Uriwa ihre Stadt bombardiert. Die drei müssen fliehen und treffen auf die Schmugglerin Luana. Zu viert beschließen sie, gegen Uriwa zu kämpfen. Bald müssen sie sich entscheiden, wie viel Gewalt sie bereit sind anzuwenden.

Ich fand die Idee sehr cool, solche realen politökonomischen Konflikte in einer Fantasywelt zu behandeln. Fantastische Elemente wie pflanzliche Luftschiffe, Lichterzwerge oder umherziehende Philosophen sorgen dabei für Auflockerung von dem ernsten Thema. Die Schilderungen von Landschaft und Kultur schaffen eine eindrückliche Atmosphäre und zeugen davon, dass der Autor selbst Zeit in Südamerika verbracht hat. Die Sprache ist auf einem hohen Niveau und sehr poetisch.

Auch das Cover ist wunderschön und macht Pagau lebendig.

Ab hier Spoiler:

Nach etwas über der Hälfte des Buches gibt es einen Plottwist: Pagau ist in Wirklichkeit nur eine Computersimulation. Ab diesem Zeitpunkt geht es um Luana, die in der realen Welt versucht, die Wahrheit über die Simulation herauszufinden und dem mächtigen Konsortium zu entkommen.

Mich persönlich hat dieser Twist nicht so richtig überzeugt, denn die zusätzliche Meta-Ebene wirkte für mich unorganisch daran gestückelt. Ich hätte es besser gefunden, wenn entweder das ganze Buch nur in Pagau gespielt hätte – oder wenn die Handlung von Anfang an zwischen den beiden Ebenen gewechselt wäre, sodass der Bruch weniger stark wäre und beide Konflikte parallel gelaufen wären. So jedoch schien diese Enthüllung alles, was in Pagau passiert ist, zu entwerten und weniger ernsthaft zu machen. Warum sich über die Gewaltfrage und die Ausbeutung von Ressourcen weiter Gedanken machen, wenn es eh bloß NPCs getroffen hat?

Dennoch fand ich das Buch insgesamt sehr lesenswert. Und vielleicht haben andere Lesende ja gerade an dem starken Plottwist ihre Freude.

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