Das Magazin enthält einige Kurzgeschichten und Essays, die lose zum Thema Mythen passen, sowie Microfictions zum Thema zukünftige Mythen. Ich fand die Mifrofictions interessant, weil sie auf sehr kurzem Raum zukünftige Ereignisse andeuten, die dann zum Mythos geworden sein werden.
Zu den Kurzgeschichten:
„Schatten über Cliff’s Edge“ von Leo Nora Grabner ist an eine Geschichte von Lovecraft angelehnt. Ich kenne das Original nicht, fand den Text aber gut geschrieben und es geht darum, Anschluss zu finden, wenn man von seiner Herkunftsfamilie nicht akzeptiert wird.
„Mumia Vera“ von Roxane Bicker spielt in einer Zeit, als Stücke von Mumien für ein Heilmittel gehalten wurden, und ist eine interessante Idee.
„Schwerer als Blau“ von Iris Leander Villiam ist sehr schön geschrieben und zeigt eine Gesellschaft, in der Menschen ähnlich wie mit Geschlecht eingeordnet werden. Allerdings basiert hier die Sortierung auf Farben, die bestimmten Fähigkeiten und Charaktereigenschaften entsprechen sollen. Und auch hier erweist sich dieses System für viele Menschen nicht passend. Für mich bleibt jedoch fraglich, wer ein Interesse an dieser doch recht willkürlich erscheinenden Aufteilung der Menschen hat.
„Atelier Yggdrasil“ stammt von mir selbst und geht um Nornen, die ein Tattoo-Studio betreiben.
Aus dem Essay von Eleanor Bardilac blieb mir hängen, dass Menschen sich im Mittelalter weniger über das Sein als über das Tun betrachtet haben, worüber man länger nachdenken könnte.
Sunita Sukhanas Essay enthält viele treffende Beobachtungen zum Buchmarkt, die zu selten offen ausgesprochen werden. Bestseller werden durch gezielte Finanzierung gemacht. Einfach nur ein gutes Buch zu schreiben, reicht beileibe nicht aus. Man muss schon bei einem großen Verlag sein und zu den am meisten vermarkteten Autor*innen gehören. Was dann meistens kulturell wenig divers ist. Ich konnte allerdings nicht mit allen Forderungen der Autorin mitgehen.
Fazit: Insgesamt wieder ein Queer*Welten Magazin mit vielen spannenden Ideen.