M. K. Nedjelkovic: Carved by Water

Foto von "Carved by Water" neben Kaffee und Kuchen

Worum geht es:

Sasha, Eliah, Caspar und Hanya werden angeheuert, um mit einem U-Boot Aufzeichnungen aus einem Schiffswrack zu bergen, welche die Gräueltaten der mächtigsten Staatenallianz gegen Flüchtlinge beweisen sollen.

Was ich gut fand:

„Carved By Water“ spielt in einer fiktiven Welt, die stark an unsere Welt angelehnt ist. Eine Staatenallianz hat sich abgeschottet und lässt keine Migranten aus den ärmeren oder kriegsgeplagten Ländern herein, außer solche, die nützliche Fähigkeiten haben. Zugleich lebt die Allianz von der Ausbeutung der Menschen in den armen Ländern, z.B. in Unterwasserminen.

Mir gefiel gut, wie hier äußerst reale Probleme mit einer deutlichen politischen Botschaft gezeigt werden. Insbesondere hatte ich Gänsehaut, als Sasha unter Gefahren und Demütigungen die Grenze zur Allianz überqueren muss, was mich die Strapazen realer Migranten erahnen ließ.

Zugleich enthält das Setting viele phantastische Elemente. So gibt es magische Begabungen und eine fiktive Religion, die sich auf Sterne bezieht und deren Mythen zur Navigation benutzt werden.

Das U-Boot als Ort der Haupthandlung und den Fokus auf das Thema Tauchen fand ich spannend und ungewöhnlich. Der enge Raum des U-Boots bringt viele Konflikte mit sich und ist gut nachempfindbar beschrieben. Gerade beim Thema Tauchen merkt man, dass Nedjelkovic eigene Erfahrung mitbringt.

Die Charaktere haben mir ebenfalls gut gefallen. Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern und haben jeweils ihre eigenen Motive, die sie auf das U-Boot bringen. Queerness und Neurodivergenz sind vielfach vertreten und es gibt eine herzerwärmende polyamore Liebesgeschichte. (Wobei ich mich frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, sich in gleich zwei Mitglieder einer kleinen U-Boot-Crew zu verlieben …)

Das Buch ist actiongeladen und temporeich. Sprachlich ist es gut geschrieben, wobei es mir schwerfällt, das zu beurteilen, da es auf Englisch ist.

Was ich nicht so gut fand:

Ich bin mir nicht sicher, was ich von einem Magiesystem halte, das auf Berufen basiert. Die Idee ist interessant, allerdings wird in der realen Welt das Konzept der Begabung oft als Rechtfertigung für die Lebenslagen von Menschen benutzt. Nach dem Motto „Die einen haben es halt in ihrer Natur, Herzchirurg zu sein, und die anderen haben es in ihrer Natur, Klos zu putzen, und so ist jeder an seinem Platz, wo er hingehört“. Daher finde ich es etwas bedenklich, in dem Magiesystem zu suggerieren, dass es in der Natur einer Person läge, bestimmte Tätigkeiten auszuüben. Allerdings scheint sich diese magische Begabung in Reaktion auf Ereignisse zu verändern und nicht komplett unabänderlich zu sein. Das soll hier auch keine Kritik sein, nur ein Gedanke meinerseits dazu.

Was ich sehr unrealistisch fand, war die Annahme, dass das Aufdecken der Gräueltaten der Allianz überhaupt zu einer Revolution führen könne. Jeder weiß, welche Gräueltaten reale Staaten begehen, aber zu einer Revolution hat das bisher nicht geführt. Denn gute Bürger sind stets in der Lage, auch die schlimmsten Taten ihrer Staaten zu rechtfertigen. Nun nehmen die Charaktere das aber auch bloß an, und ich vermute, dass sie im zweiten Band enttäuscht werden.

Fazit:

Ein politisch relevanter, spannender Fantasyroman auf einem U-Boot. Klare Empfehlung!

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