Die Nr. 22 des Horrormagazins „Zwielicht“ bietet eine Mischung aus vielen Spielarten der unheimlichen Phantastik, von surreal und gruselig bis zu absurd und sogar lustig.
Besonders gefielen mir:
Maximilian Wust: „Tränen, Wasser und Muttermilch“ ist eine Geschichte um Abelard, der im 19. Jahrhundert im Grenzland zwischen Bulgarien und der Türkei Zombies jagt. Mir gefielen das außergewöhnliche Setting, das originelle Magiesystem und die Stimmung.
„Das größte Opfer“ von Corina Marin beginnt mit einer Therapiesitzung und führt zu einer Dämonenbeschwörung mit unerwartetem Ende. Ich fand die Idee spannend, dass eine Person, die für eine bessere Welt kämpft, einen weit stärkeren Dämonenpakt eingehen kann als jene, denen es um persönliche Bereicherung geht.
Philipp Nowotny: „Lacrimosa“: Ein junger Mann zieht in eine neue Wohnung. Im Haus geht Seltsames vor sich und die Nachbarn verfolgen ungute Absichten … Diese Geschichte fand ich wirklich gruselig.
Uwe Voehl: „Im Paternoster“: Eine junge Frau fängt einen neuen Job bei einer Anwaltskanzlei an, wo ein alter Paternoster herumfährt, in dem es zu spuken scheint. Das wird verknüpft mit einem Verbrechen aus der Nazizeit und Stolpersteinen. Ich fand die Mischung aus realem Hintergrund und Horror gut.
Juliane Seidel: „Was du im Dunkeln nicht siehst“ erzählt beklemmend vom trostlosen Leben von Obdachlosen, die es mit etwas Übernatürlichem zu tun bekommen. Der wirkliche Horror ist aber nicht das Übernatürliche, sondern die realen Lebensumstände der Obdachlosen.
Erik Hauser: „Die Flucht der Saugroboter“. Der Text bezieht sich auf die altbekannte Furcht, Maschinen könnten rebellieren, am Beispiel der Saugroboter. Inhaltlich wenig Neues, aber gut geschrieben und sehr lustig.
Adrian van Schwamen: „Lilith“: Eine Künstlerin, die von ihrem Freund misshandelt wird, findet eine Gliederpuppe, die ihr beim Zeichnen hilft und dann auch gegen ihren Freund. Gut gemacht fand ich, wie subtil die Misshandlungen klar wurden und wie die Frau das zunächst verleugnet.
Mae Ludwig: „Cryptococcus Neoformans“: Nach einem Atomkrieg ist die einzige Überlebende eine Astronautin auf der ISS. Bis sie es dort mit einem Pilz zu tun bekommt, der sich von Strahlung ernährt. Gut und atmosphärisch geschrieben.
Karin Reddemann: „Gib Acht, Maria“: Ein kleines Mädchen mag ihre Urgroßmutter nicht besonders, doch später als junge Frau erhält sie von dieser eine Warnung aus dem Jenseits. Ich mochte den lakonischen Schreibstil und die Darstellung der Beziehungen zwischen den Generationen.
„Der Renner“ von Carolin Lüders stammt von mir, daher bewerte ich es nicht. Zum Inhalt: ein Schuhunternehmer wird in der Nachkriegszeit von seinen Taten eingeholt.