Tino Falke und Jule Jessenberger (Hrsg.): Sonnenseiten

In dieser Anthologie sind Geschichten versammelt, in denen Solar Punk und Street Art eine Rolle spielen. Für die, die Solar Punk vielleicht noch nicht kennen: das ist ein Sammelbegriff für utopische Zukunftsentwürfe, in denen regenerative Energien verwendet werden. Auch Unterdrückung, Ausbeutung und Krieg sind zumeist in diesen Entwürfen abgeschafft. Mir hat das entsprechend Utopische in diesen Geschichten gut gefallen. Sich einmal zur Abwechslung in Welten zu träumen, in denen Pflanzen auf Häusern blühen und Solarzellen glitzern, war Balsam für meine von der Realität geschundene Seele. ^^ Welten, die häufig auch sehr queer und divers dargestellt sind.

Zwei Schwierigkeiten ergeben sich allerdings mit dem Setting: Erstens bleibt meist im Unklaren, wie genau eine solche utopische Welt funktionieren soll. Ökonomie und Politik werden in den Geschichten nur am Rande gestreift.

Zweitens standen die Autor*innen vor der Aufgabe, nicht nur Solar Punk, sondern auch Street Art in ihre Geschichten einzubauen. Street Art hat ja eher etwas mit Rebellion gegen die Verhältnisse zu tun. Doch wogegen soll man in einer utopischen Welt rebellieren? Es musste also irgendein Konflikt eingeführt werden, um die Rebellion zu motivieren. Dieses Problem haben manche Schreibende sinnvoll gelöst, bei anderen fühlt sich der Konflikt für mich arg konstruiert an.

Die sprachliche Gestaltung zeigt eine ziemliche Bandbreite: einige Texte sind richtige Perlen, viele sind solide geschrieben, ein paar haben sprachlich noch Luft nach oben.

Insgesamt eine Empfehlung für alle, die zwischen all den real existierenden Dystopien einen Hoffnungsschimmer suchen.

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