Olga Ravn: Die Angestellten

Ein ungewöhnlicher SF-Roman.

Worum geht es:

Ein Raumschiff umkreist einen neu entdeckten Planeten. An Bord sind sowohl menschliche als auch künstliche Arbeitskräfte, sogenannte Humanoide, sowie einige seltsame außerirdische Objekte. Diese Objekte rufen unerwartete Gefühle in der Besatzung hervor. Insbesondere die Humanoiden entwickeln Gefühle, die so nicht vorgesehen sind und die – Schockschwerenot – die Arbeitsproduktivität bedrohen. Die Missionsleitung ergreift Gegenmaßnahmen und es kommt zur Eskalation. Das Buch ist dabei in Form von Zeugenaussagen der Besatzungsmitglieder geschrieben.

Kommentar:

Keine leichte Lektüre, denn man muss sich beim Lesen die Geschehnisse aus den Zeugenaussagen zusammen puzzeln. Daraus ergibt sich ein zunächst verwirrendes, aber zunehmend beklemmendes Bild. Deutlich wird, wie brutal alle, egal ob Menschen oder Humanoide, der Produktivitätslogik unterworfen sind. (Die Humanoiden wurden geschaffen, weil sie nach nur zwei Jahren Aufzucht arbeitsfähig sind und nicht wie Menschen erst nach ca 18 Jahren und weil sie keine Pausen brauchen.) So enthält das Buch eine gewisse Portion Kapitalismuskritik, ohne erhobenen Zeigefinger. Die Sprache ist sehr lyrisch (die Autorin hat zuvor Lyrikbände veröffentlicht), für meinen Geschmack manchmal zu Lasten der Verständlichkeit. Insgesamt eine Lektüre, die einen mit mehr Fragen als Antworten zurücklässt. Aber genau das kann ja zum Nachdenken anregen.

Ähnliche Beiträge

  • T. N. Weiß: Finsterflüstern

    Worum geht es: Das Buch folgt drei Figuren auf verschiedenen Seiten eines interplanetaren Konflikts: Yolan ist ein Junge in einer altertümlichen Kultur, wo man Angst vor „Hexern“ hat. Koulé ist Soldatin in der Kultur dieser „Hexer“, die ihre Macht außerirdischen Wesen, den Titanen, verdanken. Mril ist ein Krieger der Shadku, Echsenwesen, welche mit den Feyen…

  • Urban Fantasy Going Mental

    Hrsg. Aşkın-Hayat Doğan und Jade S. Kye In dieser Anthologie aus dem ohneohren Verlag geht es um Urban Fantasy mit Protagonisten, welche psychische Krankheiten oder Neurodivergenzen haben.  Diese Geschichten haben mir besonders gefallen: „Schall und Rauschen“ von skalabyrinth dreht sich um ein ungewöhnliches Konzept: Musik hat eine magische Wirkung auf Wasser, daher muss eine Musikwacht…

  • Marie Meier: Funkenflug

    Worum geht es: Dies ist die Fortsetzung von „Seelengrube“. In der futuristischen und extrem hierarchischen Stadt Arges will Jule aufsteigen und ihre magischen Fähigkeiten ausbauen, um ihre Love Interests aus der Sklaverei zu retten. Wie ich es fand: „Funkenflug“ ist, wie der Vorgänger, rasant und packend geschrieben. Man lernt die verschiedenen Schichten der hierarchischen Stadt…

  • Adania Shibli: Eine Nebensache

    Mit Spoilern CN: Vergewaltigung, Mord Auf dieses Buch aufmerksam geworden bin ich ironischerweise, weil die Autorin 2023 einen Preis auf der Frankfurter Buchmesse erhalten sollte, welcher auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Worum geht es: Das Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil spielt 1949, ein Jahr nach der Nakba, der massenhaften Vertreibung von Palästinensern,…